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Ratgeber · Zugriffsregeln

Zugriffsregeln: Was die Lovable-Lücke für Ihre App heißt

Am 2. November 2026 berichtete das Handelsblatt über Zehntausende Webseiten, die mit Lovable erstellt wurden und Kundendaten offen zeigten. Hier steht, wie die Lücke funktioniert, wie ich meine eigene App geprüft habe und was Sie fragen sollten, wenn Ihre App mit einem KI-Werkzeug entstanden ist.

Von Dominik Baki7 Minuten LesezeitGeprüft: 2. November 2026

Am 2. November 2026 berichtete das Handelsblatt, dass auf Zehntausenden Webseiten, die mit dem KI-Werkzeug Lovable erstellt wurden, Kundendaten offen lagen. Die Ursache sind fehlende Zugriffsregeln in der Datenbank, und die können jede App treffen, egal womit sie entsteht. Ich bin App-Entwickler und kein Sicherheitsberater. Hier steht, wie die Lücke funktioniert, wie ich meine eigenen Apps geprüft habe und welche Fragen Sie stellen sollten, wenn Ihre App mit einem KI-Werkzeug entstanden ist.

Was das Handelsblatt berichtet

Der IT-Sicherheitsexperte Thomas Jansen hat nach eigenen Angaben mehr als 140.000 deutschsprachige Webseiten untersucht, die mit Lovable erstellt wurden. Bei rund 15 Prozent konnte er Daten einsehen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Laut dem Artikel gehörten dazu Namen, Geburtsdaten und Passnummern auf einer Seite für US-Visa-Anträge und die Profile registrierter Nutzer einer Radio-Seite. Betroffen sind nach seiner Zählung mehr als 20.000 Lovable-Nutzer.

Lovable verspricht, dass man für eine eigene App oder Webseite nicht programmieren können muss. Nach Angaben des Unternehmens sind damit mehr als 50 Millionen Projekte entstanden. Genau dieses Versprechen macht die Lücke so folgenreich.

Wie die Lücke funktioniert

Viele KI-Werkzeuge legen die Daten einer App bei Supabase ab, einem Anbieter für Datenbank und Backend. Damit die Seite im Browser Daten laden kann, steht in ihrem Code ein öffentlicher Schlüssel. Er ist für jeden sichtbar und soll nur zeigen, was jeder sehen darf, etwa die Texte der Seite.

Was dieser Schlüssel tatsächlich öffnet, entscheiden die Zugriffsregeln der Datenbank. Bei Supabase heißen sie Row Level Security: Für jede Tabelle legt eine Regel fest, wer welche Zeilen lesen oder ändern darf. Fehlen diese Regeln, ist eine Tabelle laut Supabase für jeden lesbar und schreibbar, der die Rechte dazu hat. Dann reicht der öffentliche Schlüssel, um auch Kundendaten abzurufen. Einen Angriff brauchte Jansen dafür nicht, nur den Schlüssel aus dem Seitencode.

Kein Problem eines einzelnen Werkzeugs

Lovable spricht laut Artikel von einem branchenweiten Konfigurationsproblem und von geteilter Verantwortung: Das Werkzeug verbessert seine Modelle, für die fertige App sind die Nutzer verantwortlich. Die meisten Lovable-Nutzer sind allerdings keine Entwickler, und das Werkzeug verspricht gerade, dass sie es nicht sein müssen.

Neu ist das Muster nicht. Laut Handelsblatt wies der Entwickler Matt Palmer Lovable schon im März 2025 auf solche Fehlkonfigurationen hin. Anfang Oktober 2026 beschrieb die Sicherheitsfirma Upguard dasselbe Muster bei weiteren KI-Werkzeugen, deren Apps ihre Daten bei Supabase ablegen. Supabase gibt nach eigener Aussage seit Ende Mai 2026 bei neuen Projekten keine Tabellen mehr über öffentliche Zugänge preis und wollte das ab Ende Oktober auf alle Projekte ausweiten.

Mit welchem Werkzeug Ihre App entstanden ist, sagt also wenig darüber, ob ihre Daten geschützt sind. Das zeigen erst die Zugriffsregeln.

Wie ich meine eigene App geprüft habe

TreueBiss, meine digitale Stempelkarte, legt ihre Daten ebenfalls bei Supabase ab, und auch ihre Web-App lädt mit einem öffentlichen Schlüssel. Am 2. November 2026 habe ich sie deshalb so geprüft, wie es im Artikel beschrieben ist: mit dem öffentlichen Schlüssel aus dem Code der laufenden Web-App, nur lesend.

  • Alle elf Tabellen haben Zugriffsregeln, und keine davon gibt dem öffentlichen Schlüssel eine Zeile frei.
  • Neun Tabellen antworteten leer, darunter Stempel, Gutscheine und Nachweise. Zwei Tabellen und alle Auswertungen antworteten mit „permission denied“.
  • Lesbar ist nur das Verzeichnis der Betriebe, eine eigene Ansicht mit Name und Kurzname. Das ist so gewollt.
  • Kunden brauchen in TreueBiss kein Konto. Im Hintergrund bekommt jedes Gerät eine anonyme Kennung, und die Regeln geben jedem nur die Zeilen zu seiner Kennung.

Dazu laufen 957 automatische Prüfungen gegen die Datenbank, in drei Durchgängen: frisch eingerichtet, nach einem Upgrade vom alten Stand und nach einem Upgrade vom letzten Release. Am 2. November 2026 bestanden alle.

Ein Fehler, der mir selbst passiert ist

Fehlerfrei war TreueBiss nicht immer. Ende August 2026, als die App noch in Entwicklung war, ließen sich alle Datenbankfunktionen über den öffentlichen Schlüssel aufrufen. Supabase vergibt das Recht dazu ausdrücklich an jeden Zugang, und ich hatte nur das allgemeine Recht entzogen. Am laufenden Projekt ließ sich das nachweisen.

Behoben habe ich es noch am selben Tag, dem 31. August 2026: Jeder Funktion ist das Recht seitdem ausdrücklich entzogen. Ein Test prüft für jede Funktion, ob der öffentliche Schlüssel sie aufrufen darf. Er schlägt auch an, wenn eine neue Funktion dazukommt, die in seiner Liste noch fehlt.

Wie es bei RevierHege aussieht

RevierHege, meine App für Kirrungen im Jagdrevier, legt ihre Daten bei Firebase ab. Dort heißen die Zugriffsregeln Sicherheitsregeln, und das Prinzip ist dasselbe. 104 automatische Tests prüfen sie, Stand 1. November 2026, etwa dass nur Konten mit bestätigter E-Mail-Adresse einem Revier beitreten können und wer Beitrittsanfragen ablehnen darf.

Seit dem 1. November 2026 gehen neue Regeln nur noch live, wenn alle Tests bestanden haben. Veröffentlicht wird per Knopf, und der Ablauf vergleicht danach, ob live genau die geprüften Regeln stehen.

Fragen an jeden, der Ihre App entwickelt

Ob Sie Ihre App selbst mit einem KI-Werkzeug erstellen oder jemanden beauftragen: Diese Fragen sollten beantwortet sein, bevor echte Kundendaten in die App kommen. Sie gelten auch für mich.

  1. 01 · RegelnWer darf welche Daten lesen und ändern, und wo steht das?
  2. 02 · VollständigHat jede Tabelle Zugriffsregeln, auch die, die zuletzt dazugekommen ist?
  3. 03 · SchlüsselWas sieht jemand, der nur den öffentlichen Schlüssel aus dem Seitencode hat?
  4. 04 · TestsWie wird geprüft, dass das nach jeder Änderung so bleibt?
  5. 05 · SparsamWelche Daten braucht die App gar nicht?

Wenn Ihr KI-Projekt festhängt

Mit KI-Werkzeugen entstehen heute jeden Tag neue Apps, auch ohne Programmierkenntnisse. Viele kommen irgendwann an eine Grenze: technisch, zeitlich oder beim Budget. Damit der Aufwand nicht umsonst war, reiche ich Ihnen gern die Hand.

Der erste Schritt ist das Brötchen (Quick-Fix): Ich sehe mir Ihr Projekt bis zu zwei Stunden an, zum Festpreis von 230 Euro. Danach wissen Sie, ob es sich weiterführen lässt oder besser als Vorlage für eine native App dient. Wie es weitergeht und mit welchem Werkzeug, ergibt sich aus dieser Prüfung.

Fazit: Zugriffsregeln gehören zum Handwerk

Die Lovable-Lücke heißt für jede App mit Kundendaten dasselbe: Der öffentliche Schlüssel ist für alle sichtbar, schützen müssen die Zugriffsregeln. Bei TreueBiss stehen sie auf jeder Tabelle, Tests prüfen sie, und eine Abfrage mit dem öffentlichen Schlüssel fand am 2. November 2026 keine Kundendaten. Für Ihre App zählen dieselben drei Dinge: Regeln auf jeder Tabelle, Tests nach jeder Änderung und so wenig gespeicherte Daten wie möglich.

Häufige Fragen zu Zugriffsregeln in Apps aus KI-Werkzeugen

Ist der öffentliche Schlüssel einer Supabase-App ein Geheimnis?

Nein. Er steht im Code, den jeder Browser lädt, und soll nur zeigen, was jeder sehen darf. Geheim bleiben muss der zweite, geheime Schlüssel; laut Supabase gehört er nie in den Browser. Was der öffentliche Schlüssel tatsächlich öffnet, entscheiden die Zugriffsregeln der Datenbank.

Betrifft die Lücke nur Lovable?

Nein, laut Lovable selbst und laut den Fachleuten im Handelsblatt nicht. Betroffen sind Apps, deren Daten bei Supabase liegen und deren Tabellen keine Zugriffsregeln haben. Anfang Oktober 2026 beschrieb die Sicherheitsfirma Upguard dasselbe Muster bei weiteren KI-Werkzeugen.

Wie finde ich heraus, ob meine App betroffen ist?

Fragen Sie den, der Ihre App entwickelt hat oder betreut, nach den Zugriffsregeln jeder einzelnen Tabelle. Laut Supabase gehört Row Level Security auf jede Tabelle, die über die Schnittstelle erreichbar ist. Liegen sensible Daten in der App, rät der Sicherheitsexperte im Handelsblatt zu einer fachkundigen Prüfung.

Können Sie mein KI-Projekt übernehmen?

Das kläre ich zuerst im Brötchen (Quick-Fix): bis zu zwei Stunden für Ihr Projekt, zum Festpreis von 230 Euro. Danach wissen Sie, ob es sich weiterführen lässt oder besser als Vorlage für eine native App dient.

Bieten Sie Sicherheitsprüfungen an?

Nein. Ich bin App-Entwickler und kein Sicherheitsberater. Zugriffsregeln gehören zu den Apps, die ich entwickle, und dort teste ich sie. Für ein unabhängiges Gutachten sind Fachleute für Anwendungssicherheit die richtige Adresse.

Über den Autor

Dominik Baki ist Gründer von byte & Handwerk und entwickelt native Apps für iOS und Android, Web-Apps und die Backends dahinter. Er ist gelernter Bäcker und staatlich geprüfter biotechnologischer Assistent und arbeitete 17 Jahre in der regulierten pharmazeutischen und biotechnologischen Produktion, unter anderem bei AbbVie und AGC Biologics. Danach war er im Vertrieb tätig, bildete sich am Syntax Institut zur IT-Fachkraft für App-Entwicklung weiter und erwarb IHK-Zertifikate für iOS und Android (Originale auf Anfrage). Beruflicher Hintergrund und Qualifikationsnachweis →

Quellen und Aktualisierung

Grundlage dieses Beitrags

Die Zahlen zur Lovable-Lücke, die Stellungnahmen von Lovable und Supabase und die Hinweise auf Matt Palmer und Upguard stammen aus dem Artikel des Handelsblatts vom 2. November 2026, abgerufen am selben Tag – Experten finden Datenlücke bei beliebter KI-Coding-Plattform. Die Zahlen hat Thomas Jansen nach eigenen Angaben erhoben; nachgeprüft habe ich sie nicht.

Was Row Level Security leistet, beschreibt Supabase in der Dokumentation, abgerufen am 2. November 2026 – Row Level Security.

Das Beispiel TreueBiss beruht auf dem öffentlichen Quellcode von TreueBiss auf GitHub (Datenbankschema und Tests, Stand 3. September 2026), auf dem Testlauf und auf meiner Abfrage des laufenden Projekts mit dem öffentlichen Schlüssel, beide am 2. November 2026. Das Beispiel RevierHege beruht auf den Regeltests im nicht öffentlichen Backend, Stand 1. November 2026.

Zuletzt inhaltlich geprüft am 2. November 2026.

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